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Der natürliche Standort ist der lichte Nadelwald mit
Rhododendren und Kiefern bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Der Nationalpark liegt
auf einer Höhe von etwa 2400 bis 3000 Meter über Meeresspiegel und ist bis heute
nur durch eine mehrtägige beschwerliche Reise zu erreichen. 1989 gelang es
Roland Willumeit – in einem feuchten Taschentuch transportiert – einige Sämlinge mit nach Europa zu bringen, von denen wenige überlebten. Später
kamen noch andere Pflanzensammler in diesen Park und auch sie brachten
einige Sämlinge mit. Die Mutterpflanzen waren alle schon verblüht, so dass eine
exakte Bestimmung der Art bis heute nicht möglich war. Daher führt
unser Bambus des Jahres die Abkürzung „spec.“ als Artname,
was für lateinisch: species steht und „unbestimmte Art“ bedeutet.
Doch nun zur Pflanze: Die Halme dieser Fargesia sind mal mehr, mal weniger
intensiv rot ausgefärbt und gehen von gelb-orange bis hin zu
rötlichschwarz. Je nach Sämling ist die Wuchshöhe von 1,50 Meter bis zu etwa
4 Meter verschieden. Die Blätter sind zierlich dunkelgrün, etwa 2,5 cm bis 6 cm
lang und etwa 0,5 bis 1,5 cm breit. Ähnlich zu Fargesia nitida entspringt an den
Knoten eine Vielzahl von Zweigen mit Längen bis zu 30 cm. Der Habitus reicht von
straff aufrecht bis leicht überhängend. Durch das feine Laub wirkt die Pflanze
nie so massig und dicht wie eine Fargesia murielae und ihre Halme kommen sehr
schön zur Geltung.
Im Herbst putzt sich Fargesia spec. Jiuzhaigou so wie alle Fargesien, jedoch
verliert sie etwas mehr Blätter als andere, um mit weniger Verdunstungsfläche
durch den Winter zu kommen. Bei großer Hitze und starkem Frost rollen sich die
Blätter ein, auch das ist ein weiterer Verdunstungsschutz.
Die Winterhärte ließ bis jetzt keine Wünsche offen. Bis
minus 24° C über längere Zeit überstanden sie schadlos. Zur Verwendung in
unseren Gärten stehen diesem Bambus alle Türen offen. Sowohl als Solitär mitten im Staudenbeet als
auch als dichte Hecke für Sicht- und Windschutz ist er geeignet und bildet eine
elegante und grazile Alternative zu anderen Fargesien wie F. murielae, F.
robusta oder F. rufa. Mittlerweile bieten mehrere Baumschulen und auch schon das
eine oder andere Gartencenter diesen Bambus an. Da die Unterschiede der
einzelnen Sämlinge recht groß sind, wird jeder etwas für seine Ansprüche finden.
Viel Spaß mit dem Bambus des Jahres 2005.
Holger Ehrlich, Bambus-Journal 4/2004 |