Regionaltreffen der Rhein-Main-Gruppe am 29.07.2007Endlich war es wieder einmal soweit! Die Rhein-Main-Gruppe traf sich zu Ihrem
ersten Regionaltreffen 2007. Um den Vorstand etwas zu entlasten hatten wir,
Franz und Sonja Sommer, die Planung und Ausarbeitung für diese Exkursion
übernommen. Schon ihm Vorfeld hatten wir sehr viel Spaß. Den ersten Kontakt mit
Herrn Eidmann knüpften wir schon während eines Dienstes bei der Raritätenbörse
im Palmengarten. Ein Besuch in seiner wunderschönen Gärtnerei machte die Planung
perfekt. Auch der Mailkontakt und die Telefonate mit dem Ehepaar Speckhardt
waren sehr anregend. So stand das Programm binnen weniger Tage und konnte im
Journal veröffentlich werden. So trafen wir uns an einem etwas diesigen Sonntagmorgen pünktlich um 9:30 Uhr vor der Gärtnerei Eidmann in Groß-Umstadt/Semd. Das Wetter konnte unsere gute Laune nicht trüben und so war die Begrüßung unter den Mitgliedern - wie immer - sehr überschwänglich und so manches Busserl wurde ausgetauscht. Das Ehepaar Eidmann war auch schon da und begrüßte uns alle sehr herzlich. In einer stilvoll umgebauten alten Scheune gab es für jeden einen Sitzplatz und der offizielle Teil konnte beginnen. Auch Erfrischungen waren eigens für uns bereit gestellt. Herr Eidmann erzählte uns sehr humorvoll und kurzweilig, dass die Gärtnerei vor 15 Jahren ihren Anfang nahm. Eidmanns hatten einen sehr schweren Start, denn es war nicht genügend Geld vorhanden, um am elterlichen Grundstück noch zusätzliches Land zu erwerben. Des einen Leid, des andren Freud. Erst die Scheidung eines Nachbarn und die Hilfe des Schwiegervaters machten es ihnen möglich, Grund und Scheune zu erwerben. In der Raritätengärtnerei findet man keine Massenproduktion. Es werden immer kleine Mengen, aber dafür echte Raritäten nachgezogen und vermehrt, so zum Beispiel die japanischen Leberblümchen oder Alpinumpflanzen. Mitarbeiter müssen daher besonders geschult und überwacht werden. Herr Eidmann stellte uns verschiedene Echinaceen vor und erklärte uns die Wuchsform bei unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit. Er vermittelte manchem von uns neues Wissen über Tuffstein. Durch den Trend zu frischen Kräutern hat auch er sich darauf eingestellt und führt ein ausgefallenes Sortiment, wie zum Beispiel Steviapflanzen, verschiedene Minzesorten und Gewürztagetes. Nach dieser informativen und unterhaltsamen Einführung teilten wir uns in zwei Gruppen. Herr und Frau Eidmann führten uns über das gesamte Anwesen. Alles war sehr sortiert und herrlich übersichtlich. Verschiedene Schaugärten und kunstvolle Anlagen machten die Führung zu einem Erlebnis. Dann war es endlich soweit: die Gärtnerei stand uns offen zum Stöbern und Einkaufen. Eidmanns standen uns mit Rat und Tat hilfreich zur Seite. Alle Verkaufspflanzen sind wunderbar etikettiert und ausgezeichnet. Zwischen den Verkaufstischen befinden sich Pflanzenarrangements, um zu demonstrieren, welche Pflanzen ausgepflanzt am besten miteinander harmonieren. Frau Eidmann erfüllte uns jeden Wunsch und grub extra mehrmals Pflanzen aus den Beeten aus und holte Nachschub aus den Gewächshäusern. Wer noch etwas Zeit hatte, konnte noch in der gegenüber liegenden "Semder Scheunengalerie" seine Augen an Aquarellen, bleiverglasten Fensterbildern und Spiegeln erfreuen. Da es nun zu regnen begann, fiel uns der Abschied nicht allzu schwer und jeder huschte mit Pflanztüten bepackt zu seinem Fahrzeug. Fest steht wohl bei jedem von uns, dass dies nicht der letzte Besuch in der Raritätengärtnerei war. Nach eigener Aussage wird selbst Norbert Pohl den weiten Weg nicht scheuen. Unser herzlicher Dank gilt Familie Eidmann, welche sogar ihren Sonntag für uns opferte. |
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Um 14 Uhr fuhren wir dann Richtung Bergstraße,wo wir uns einen von "Hessens schönsten Gärten" zur Besichtigung auserkoren hatten. Der Maler und Bildhauer Siegfried Speckhardt und seine Frau Rita hießen uns in ihrer alten Mühle in Bensheim/Auerbach herzlich willkommen. Der Künstler hatte die Mühle vor 30 Jahren entdeckt. Als der Mond über dem alten Gemäuer stand, verliebte er sich unsterblich und musste seiner Frau erst wochenlang gut zureden, bis sie dem Kauf zustimmte. Anhand von Bildern wurde uns bewusst, dass Speckhardts eine Ruine gekauft hatten, aus der sie dank kräftiger Mithilfe ihrer Freunde ein Schmuckstück schufen. Ein behagliches Zuhause für die Familie, Galerie und Werkstatt für den Künstler und ein grünes Paradies für die Hobbygärtnerin. Dorit Mahenke, ehemalige Direktorin der Kunsthalle Darmstadt, sagte in der Einführung zu einer Ausstellung über den Künstler: "Mit eigenen Mitteln und Formen schafft Siegried Speckhardt eine magisch erstarrte Bildwelt in ungewöhnlichen Räumen, in denen Traum, Vision und Irrationales lebt, die nicht kontrollierten Bilder des Unterbewussten". Auf einer Entdeckungsreise durch den Garten begegnet man vielen geheimnisvollen Geschöpfen und Gebilden: einer Löwendame, ehemals Balkonstütze, die nun pfeiferauchend und mit einem Ackergerät gekrönt von ihrer rosenumrankten Säule grinst; man trifft Pedro und Inge, zwei komische Vögel, und eine Riesenlibelle, die aus einer umgestürzten Eiche entstanden ist. Ein Sandsteingesicht, das sich hinter Efeu verbirgt, hat der Künstler nach dem Konterfei seines Großvaters gemeißelt. Unter einer blauen, von Siegfried Speckhardt selbst geschmiedeten Laube, lässt sich der Garten genießen und überblicken: an ihr selbst winden sich Clematis und Rosen empor. Die Grundzüge des Gartens hat der Künstler geplant. Die Bepflanzung und übrige Gestaltung ist das Werk seiner Gattin. An den 2000 qm großen Garten gliedern sich noch zwei Hektar Wald an, an dessen Rändern im Frühsommer hunderte Fingerhüte blühen und seitlich wird der Garten durch den ehemaligen Mühlbach begrenzt. Eingerahmt durch hohe Bäume gedeihen an die 70 verschiedenen Farnsorten, stattliche Baumpäonien, riesiger Federmohn, Wachsglocke, Eisenhut und Waldgeisbart prächtig. Eingesäumt wird diese Schatzkammer durch riesige Samthortensien, die selbst von unseren Fachleuten bestaunt wurden. Am wunderschönen Teich wachsen üppige Rodgersien und mächtige Scheincalla, die von der Gartenbesitzerin geduldet werden, obwohl sie eigentlich die Farbe Gelb in ihrem Garten nicht mag. Die leidenschaftliche Staudenliebhaberin und mittlerweile auch Staudenexpertin, legt bei ihrer Pflanzenauswahl vor allem Wert auf attraktive Blattstrukturen und harmonische Farbgebungen. Verschieden angelegte Wege führen den Besucher sicher durch den Garten. So manche Mauerkrone wird durch Porzellan und Keramikfundstücke geschmückt, welche bei der jahrzehntelangen Renovierung ans Tageslicht kamen. Der Gemüse- und Kräutergarten hinter dem Haus, mit angrenzendem Obstgarten, ist das Refugium des Künstlers. In akkurat angelegten Beeten gedeihen dort Gemüse und Salate kombiniert mit Kräutern und Bauerngartenblumen. Sogar verschiedene Minzearten, Pfefferkraut sowie rote Brombeeren sind dort zu finden. Der Skulpturengarten des Ehepaares ist sowohl ein kultureller als auch botanischer Höhepunkt an der Bergstraße. Wir verewigten uns noch im Gästebuch des Ehepaares und bedanken uns auch auf diesem Weg noch einmal für das "Herzlich Willkommen". Da noch niemand Lust hatte nach Hause zu fahren und der eingesetzte Regen uns an einem Plausch in Gottes freier Natur hinderte, kundschafteten wir sogleich ein uriges Lokal für unsere Bambusfreunde aus. "Die alte Dorfmühle", eine alte renovierte Kornmühle, mit traditionellem Fachwerk zwischen den Tischen, war genau das richtige für uns "Halbverrückte". Man konnte sich einen "Humpen Kaffee" bestellen oder auch eine "Tote Tante" (Kaba mit Rum). Jeder Stuhl hatte ein anderes handgefertigtes Häkelkissen, alle Außenwände waren deckenhoch voll gestopft mit Büchern und man konnte Flohmarktartikel erwerben. Ein Schal, an dem seit 1976 gestrickt wird, schlängelt sich über die Decke durch das Fachwerk bis hin zum Kachelofen. Dort liegt das offene Ende, an dem jeder Gast ein Stück stricken darf. Wir strickten natürlich auch! Unsere Männerwelt mit ihrem Kennerblick schätzte den Schal auf 25 Meter. Schon allein der Gang zur Toilette war durch seine Wandgemälde ein künstlerisches Highlight. Katja`s Glaskunst wurde zum Kauf angeboten und so mancher nahm sich ein im Holzofen gebackenes Brot mit auf den Heimweg. Ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Tag! Wir sagen Danke für die rege Teilnahme und den absolut harmonischen Verlauf, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann. Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Tour. Sonja Sommer |
